Syndicate Stories
Jeder, der denkt, ein Tattoostudio sei einfach nur Nadel rein, Farbe drauf, Geld kassieren – hat noch nie erlebt, was bei uns wirklich passiert.
Hinter den Maschinen, den Nadeln, dem Geruch von Desinfektion und Kaffee liegen Geschichten, die kein Drehbuchautor besser schreiben könnte.
Manche bringen dich zum Lachen, andere lassen dich nur noch den Kopf schütteln – und wieder andere erinnern uns daran, warum wir diesen Job so verdammt lieben. Syndicate Stories ist unsere Sammlung dieser
Momente.
Echte Erlebnisse, ungeschönt erzählt – aus unserer Perspektive, mitten aus dem Studioalltag. Hier geht’s nicht um Werbung oder Image, sondern um das, was Tattoo wirklich ist:
Kunst, Chaos, Menschlichkeit, Emotion.
Wir erzählen die Dinge, die sonst keiner sieht. Die verrückten Begegnungen, die skurrilen Ideen, die genialen Zufälle und manchmal auch die absoluten Fails. Weil das alles dazugehört – zu uns, zu diesem Leben, zu dieser Szene.
Also:
Lehn dich zurück, lies mit, und tauch ein in den Wahnsinn zwischen Farbe, Haut und Herz.
Willkommen bei Syndicate Stories – wo jede Narbe eine Geschichte hat.
Wir hatten einen Kunden der bei uns war für ein Besprechung, dieser Kunde wollte ein Fineline Tattoo also ein Tattoo bestehend nur aus
Linien und zwar sollte das Motiv eine Hawaianische Hula-Tänzerin sein mit einem Baströckchen, halt typisch in dem Hawaii Stil.
Dem Kunden war es ganz wichtig das dieses Feeling rüber kommt, zudem sollte sie in einer Hand eine Platte halten und darauf sollten Cocktails stehen, mit Schirmchen, Strohhalmen ect. drin. Wir
haben das so aufgenommen und das Design für den Kunden angefertigt.
Am Tattootag war es dann soweit, der Kunde kam und wir haben nochmals alles mit ihm angeschaut ob alles so passt, wie wir immer machen, hat gepasst, also haben wir das Transferpapier gedruckt,
dieses kommt auf die Haut wird danach weggezogen und die Linien bleiben zurück, ein ähnliches Prinzip wie früher diese Tattoos in den Kaugummis - für alle die nicht wissen was ein
Transferpapier ist. Also drauf, abgezogen nochmals nachgefragt ob alles so passt das wurde bejaht und wir haben angefangen das Tattoo zu stechen.
Nach 3 Stunden als das Tattoo fertig war, haben wir das frische Tattoo erstversorgt und eingepackt, die Nachsorge und Pflege etwaige Risiken und der Umgang mit der Wunde mit dem Kunden
abgesprochen und ihn informiert. Der Kunde ist danach gegangen.. zwei Stunden nachdem er gegangen ist haben wir eine Whats App Nachricht erhalten das ihm die Linien nun doch zu dünn seien und ob
man diese dicker machen könnte. Wir haben natürlich geantwortet und gesagt klar, kein Problem erst muss aber die Abheilung von statten gehen und nach mindestens 2-3 Wochen können wir die Linien
dicker machen ect. auf unseren Text kam lediglich ein „okay“ zurück. Wir dachten daraufhin die Sache hätte sich erledigt bis wiederum zwei weitere Stunden vergingen und wir ein erneut eine
Nachricht von selben Kunden bekommen haben, diesmal aber ein Foto mit dem Text „Schaut so dick stelle ich mir die Linien vor.“ Wir haben unseren Augen kaum getraut, auf dem Foto was das Tattoo zu
sehen das wir vor rund 4 Stunden gestochen haben, zudem waren sämtliche von uns gezogenen Linien mit einem Wasserfesten Edding vom Kunden nachgezogen worden um uns zu zeigen wie dick er die
Linien haben möchte.
Daraufhin haben wir sofort reagiert und dem Kunden klargemacht das er sofort das Tattoo abwaschen muss zudem ein Wasserfester Edding in
einer offenen Wunde höchste Gefahren birgt, daraufhin bekam wir als Antwort erneu ein „okay“.
Wie ihr denkt hört die Geschichte mit dem noch nicht auf nein der Höhepunkt kommt jetzt. Zehn Minuten später kam wieder eine Nachricht: „Mir gefällt das Tablet mit den Cocktails doch nicht,
können wir da auch was anderes machen ? Ich hab da an ein Surfboard gedacht das sie so in der Hand hält das würde ja auch super das Cocktail-Zeugs decken oder ?“
Ihr Könnt euch vorstellen das wir zudem Zeitpunkt die Welt schon nichtmehr verstanden haben da wir vor nichtmal einem halben Tag rund 3x beim gleichen Kunden nachgefragt haben ob alles so passt.
Seis drum wir haben dann geantwortet: „Klar auch das können wir machen aber als erstes muss das neue, frische Tattoo abheilen, danach können wir Änderungen vornehmen soviel du möchtest.“
Wieder kam nur ein „okay“, dafür aber um einiges schneller nämlich nur ein paar Sekunden später ein weiteres Foto.
Zu sehen: Besagtes Motiv das wir gestochen haben MIT immer noch den mit Edding nachgezogenen Linien nur dieses mal ON TOP ein Surfboard über das halbe frisch gestochene Tattoo gemalt und weil das
noch nicht reicht, nicht nur die Linien, sondern auch ebenfalls mit dem Edding KOMPLETT ausgemalt. Mit dem ergänzenden Satz: „So meine ich das.“
Wir haben daraufhin erneut zurückgeschrieben das hiermit das Anrecht auf kostenloses Nachstechen erloschen ist, den wer so grobfahrlässig mit seinem neuen Tattoo umgeht, den können wir nicht
belehren oder ihm aufzeigen das sowas nicht richtig ist, zudem wir in dem Moment ehrlich gesagt auch am Gesunden Menschenverstand gezweifelt haben.
Das war das erste und letzte mal das wir diesen Kunden gesehen haben, ob er jetzt seine dickeren Linien hat und sein Surfboard das die Cocktails covert wissen wir nicht, vielleicht zieht er aber
auch jeden morgen die Linien mit seinem schwarzen Edding nach.
Was für uns jedenfalls auch völlig „Okay“ ist.
Syndicate Stories Beitrag vom 30.10.25 (Autor: Pascal Vojin)
Wir hatten eine Kunden die plötzlich bei uns im Geschäft stand und sich beraten lies.
Ich muss dazu und vorab und vielleicht zu meiner Verteidigung sagen ich selbst kam etwas später dazu.
Jedenfalls hörte ich mit einem Ohr halb zu was die Eckpunkte waren die die Kundin gerne im Tattoo verankert haben möchte. Worte wie Kinder -
Familie - Erinnerungen standen da alle im Raum. Als ich dann ebenfalls zur Beratung dazu gestossen bin und mir das ganze auch anschauen und mir ein Bild machen wollte.
Sah ich ein Mäppchen auf dem Tisch liegen, dieses nahm ich und schaute mir die Seiten an. Beispielbilder die die Kundin mitgebracht hat um
aufzuzeigen wie Sie sich das ganze Motiv vorstellte aber wir im Design noch den Feinschliff machen sollten um alles in eine stimmige Komposition zu versetzen.
So stand ich da und betrachtete die Bilder näher und sah immer wider etwas das mir sofort ins Auge fiel und für mich absolut nicht zusammen
passte. Auf den Beispielbildern waren Blüten zu sehen mit jeweiligen Buchstaben und in mitten darin ein Engel mit einem Kreuz. Was für mich als Bildkomposition absolut keinen Sinn ergab zu dem
Zeitpunkt. So dachte ich mir: Die Blüten sind schön, das passt wunderbar aber den Engel würde ich weglassen, das ganze sieht so nach Tod aus und kommt überhaupt nicht gut rüber. Leider hab ich
das nicht nur gedacht sondern auch in einem Stillen Moment des Gesprächs in hörbarer Lautstärke gesagt, woraufhin es passend zu dem was ich sah Totenstill wurde.
Ich hoch Blickte, die Kundin und Samira mich verdutzt ansahen und ich oben drauf noch packte: „Ja ich würde vielleicht was dazu nehmen was
nicht so den Tod Charakter hat weil der Engel nein das passt nicht da meint man ja jemand sei gestorben.“
Kennt ihr den Begriff „Sternenkind“ ich kannte Ihn bis zu diesem Tag nicht. Ein Sternenkind ist ein Kind, das noch im Mutterleib oder kurz
nach der Geburt stirbt. Als mir das von beiden erklärt wurde und der Engel auf den Beispielbildern auch dieses Sternenkind symbolisieren sollte, wäre ich nicht nur am liebsten im Boden versunken
sondern hätte alles gegeben die Zeit um einige Minuten zurück zudrehen.
Natürlich habe ich mich daraufhin in höchstem Anstand und in aller Form entschuldigt und musste feststellen manchmal ist es besser meine
Meinung für mich zu behalten, den Allwissend kann niemand von uns sein.
Die Kundin hat aber ein wunderschönes Tattoo bekommen, mit allem was Sie sich gewünscht hat und meine Entschuldigung natürlich auch
angenommen.
Aber die Erinnerung, der Moment, das Gefühl bleibt und ist mir bis heute eine Lehre - zuerst einen Gedanken durchzugehen bevor jemand ihn
hört, den auch Worte können eine Waffe sein.
Syndicate Stories Beitrag vom 30.10.25 (Autor: Pascal Vojin)
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